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  3. November 2005 | Sonne, Strand und Bumerangs

mg - „Man holt sich in Italien eine Frische und Freiheit und zugleich einen inneren Besitz an Freude und Schönheit, der alles aufwiegt“ las ich auf dem Buchdeckel des Reisetagebuchs von Hermann Hesse, welches ein vergesslicher Reisender wohl in der Wartehalle des Flughafens Lübeck hatte liegen lassen. Das Buch wanderte sofort in mein Handgepäck und besser umschreiben lässt sich die Vorfreude, mit der Dizzy und ich auf unseren Flieger nach Pisa warteten, auch nicht.

Hier wird ein Weltrekordversuch begraben


Die Entscheidung, zum Saisonabschluss nach Viareggio zu fliegen, fiel bei uns relativ spontan, nachdem wir – gerade aus Lausanne in den tristen Büroalltag zurückgekehrt – nicht wahrhaben wollten, dass die schönste Zeit des Jahres schon vorbei sein sollte und wir beim Stöbern auf der DBC-Homepage den Viareggio-Artikel von Alex aus dem letzten Jahr entdeckten. Ein Blick auf die Preisliste der Billigflieger nahm uns dann die letzten Zweifel: Ein Flug nach Pisa, für den Preis einer Packung Kaugummi – schnell die Kreditkarte gezückt, den letzten Jahresurlaub eingereicht und schon war alles gebongt!

Oft haben Dizzy und ich uns geärgert, dass wir - außer den Wurfplätzen - kaum etwas vom „Drumherum“ der Orte mitbekommen, an denen die Turniere stattfinden. Deshalb entschieden wir uns also diesmal, vor dem Turnier, ein paar Tage in der Toskana zu verbringen. Eine Entscheidung, die sich absolut gelohnt hat ! Nach vier Tagen in Pisa und Umgebung – zwischenzeitlich hatte sich auch noch die Berliner Pseudodreckhecke Gerrit Görrisen zu uns gesellt - trafen wir am Freitag ziemlich „genudelt“ und weinkundig in Viareggio ein. Der mondäne Badeort mit dem diskreten Charme der 20er-Jahre empfing uns mit einer leichten Brise vom Meer her und Turnhosenwetter ! Die ersten Testwürfe am Strand zeigten dann jedoch auch schnell, das Sand nicht unbedingt der ideale Turnierbelag für Personen meiner Gewichtskategorie ist, und so schlossen wir uns schnell der Einstellung von Ralf Pietsch – den wir in „Piz Buin-Stellung“ am Strand trafen – an und bereiteten uns mental auf ein „Spaßturnier“ vor.

Am Samstag Morgen kamen wir bei idealen äußeren Bedingungen am Wurfplatz an. Das Strandareal (ein 50m-Aussi-Kreis und drei 20m-Kreise) war perfekt abgesperrt, der Sand frisch geharkt und die in den Sand gezogenen Kreise hielten erstaunlicherweise den gesamten Turnierverlauf. Organisiert wurde das Turnier, in einer Mischung aus italienischer Gelassenheit und erfahrener Professionalität, von Alessandro Benedetti und Giorgio Bina. Nachdem Paul dann von seinem USB-Stick auch noch die aktuellste Version der Turnierauswertung auf den italienischen Laptop überspielt hatte, stand einem reibungslosen Turnierverlauf nichts mehr im Wege – und doch... irgendetwas war anders als sonst ! Nach einigem Grübeln kam ich schließlich drauf: Weder Manu, noch Frido waren am Start und damit war völlig offen, wer dieses Turnier gewinnen würde.

Immerhin fanden sich auf der Teilnehmerliste 32 Werfer aus Italien, der Schweiz und Deutschland und gleich die erste Disziplin – Accuracy 100 – zeigte, dass auch der „Rest of the Best“ ganz ordentliche Ergebnisse erbringen kann ! Der erste Platz ging mit 95 Punkten an Alessandro, dicht gefolgt von Francesco Rossi mit 94 Punkten und den dritten Platz teilten sich Horst Faika, Gerrit Görrisen und Matthias Giesenschlag mit jeweils 90 Punkten. In der zweiten Disziplin – Fast Catch – zeigte sich, dass die DBC-Werfer sich schnell auf die Strandbedingungen eingestellt hatten. Günter Möller holte sich mit humorlosen 18,40sek Platz 1, gefolgt von Gerrit Görrisen mit 21,68sek der damit (und mit der zwischenzeitlichen Übernahme der Gesamtführung) unter Beweis stellte, dass seine Coach-Funktion im Gewinnerteam der letzten WM kein reiner PR-Gag gewesen sein konnte. Auf dem dritten Platz - mit 22,31sek – bewies Dizzy Klöckner, dass auch die Dreckhecken über ein schnelles Händchen verfügen.

Zu einer Disziplin auf höchstem Niveau entwickelte sich dann die dritte Disziplin, die Australische Runde. Die Bedingungen für die australische Runde erwiesen sich am Strand von Viareggio als geradezu ideal. Keine am Rand stehenden Bäume, die Windverwirbelungen verursachen, dafür eine leichte und gleichmäßige Brise vom Meer her, die die Bumerangs sanft zurück trägt. Die guten äußeren Umstände spiegeln sich auch in den Ergebnissen wider - denn mit respektablen 60 Punkten erreichte man in dieser Disziplin mal gerade den 18. Platz. Richtig interessant wurde es allerdings, als dann die Cracks in den Wurfkreis traten... Günter Möller hatte nach vier Durchgängen 77 Punkte und befand sich vor seinem letzten Wurf auf Weltrekordkurs. Dumm ist bloß, wenn man sich der Tragweite dieser Situation (wie oft hat man in seinem Leben schon mal die Chance auf einen Weltrekord ?!) in vollem Umfang bewusst wird ! Tausend Gedanken schießen einem durch den Kopf („Hat der Wind nicht gerade ein Stück gedreht ? Ist er nicht im Moment ein bisschen stärker geworden ? Jetzt bloß nicht übertreten ! etc.“), die Knie werden weich, die Arme schwer und die eben noch lockere Einstellung verändert sich zu einem „Tunnelblick“ ! Günter jedenfalls betrat (zumindest äußerlich) ziemlich cool den Wurfkreis und wirkte ganz „Young Gun“-mäßig wie Billy the Kid auf dem Weg zum täglichen Showdown. Dann sein letzter Abwurf -shit- etwas zu tief angesetzt, wird der Bumerang sich noch fangen, oder doch abstürzen ? Günter läuft ihm entgegen. Glück gehabt, der Bumerang „erholt“ sich wieder, überschreitet den 50m-Kreis und nimmt in einer majestätischen Kurve Kurs auf die Genauigkeitspunkte. Schritt für Schritt bewegt sich Günter langsam wieder rückwärts auf das Bullseye zu, die Augen hypnotisch auf den Bumerang gerichtet. Schließlich steht er - ohne es zu merken - wieder genau am Abwurfpunkt, der Bumerang setzt zum Landeanflug an, Günter kippt mit der Grazie einer Geldschranktür nach vorn, Sand wirbelt auf und dann... atemlose Stille. Als sich der Staub wieder gelegt hat, liegt Günter - die Füße immer noch im Bullseye - regungslos im Sand vergraben. Direkt neben/unter ihm, im 8 Punkte-Kreis, steckt der Bumerang. Kurze Konfusion - war es ein Fang ? Das wären dann immerhin 9 Punkte und die Einstellung des bestehenden Weltrekords gewesen ??? Doch Günter winkt ab: „No Catch“ ! Respekt Mr. President !!! Das soll erst mal jemand in einer solchen Situation so spontan und ehrlich über die Lippen kriegen ! In seinem Gedächtnisprotokoll wird Günter später auf die Frage, wie er denn den Beinahe-Fang erlebt habe, angeben: „Keine Ahnung ! Ich erinnere mich nicht ! Totaler Blackout !“ Es bleiben ihm immerhin erstklassige 91 Punkte. Kurze Zeit später raunt mir Dizzy zu „Unser Deutsch-Italiener (gemeint ist Andrea Sgattoni) ist auch auf Weltrekordkurs !“ Tatsächlich, genau wie Günter hat Andrea nach vier Würfen auch 77 Punkte im Scoreboard stehen und tritt - als zweiter Werfer dieses Tages zu seinem Weltrekordversuch an ! Ich versuche noch meine Kamera für seinen Abwurf scharf zu stellen, aber Andrea fegt mit einer solchen Eile zum Abwurfpunkt, dass ich gar nicht hinterher schwenken kann und... haut seinen Bumerang völlig übermotiviert in den Sand - statt Weltrekord bleibt es bei seinen 77 Punkten und damit für ihn bei Rang 6 in dieser Disziplin. Zweiter in der Australischen Runde wird schließlich der Mitveranstalter Alessandro Benedetti (87 Punkte) vor Dizzy Klöckner (in erstaunlicher Japan-Frühform !) mit 84 Punkten.


a) Das Wasser war sooo kalt; b) Wir haben nur sooo viel für die Reise nach Pisa bezahlt; oder c) sooo dicht waren wir am Weltrekord dran

Was wollen uns diese beiden Herren sagen ?


Als sich die Sonne so langsam daran macht im Mittelmeer zu versinken (und hier und da im Kreise der Werfer die Melodie der „Capri-Fischer“ gepfiffen wird) kommt es zur letzten Disziplin des Tages: MTA100. Hierbei machen sich dann auch zum ersten Mal die Nachteile des Strands bemerkbar, denn aufgrund der fehlenden Thermik halten sich die Ergebnisse im Rahmen: Andrea Sgattoni erreicht den ersten Platz mit immerhin noch 39,12sek, gefolgt von Günter mit 36,70sek und Gerrit mit 33,81sek.

Es ist wohl unnötig zu erwähnen, dass die Geschichten dieses sonnigen und ereignisreichen Tages am Abend - zwischen Pasta und Vino - mehrfach die Runde machten und es dabei (je nach Blicktrübung des Erzählers) auch zu inhaltlichen Veränderungen und Wahrnehmungsverschiebungen kommen konnte.


Gerrit und Dizzy - Erfolg macht sexy

Norddeutsche Boys am Mittelmeer


Trotzdem fanden sich alle Werfer am Morgen des zweiten Tages wieder am Strand ein. Hier und da werden noch seelische und körperliche Wunden gepflegt. So „bezahlte“ z.B. Gerrit „I’m just a Gigolo“ Görrisen seinen kompromisslosen Einsatz auf diesem Turnier mit insgesamt zwei Kopf- und drei Körpertreffern, was bei ihm einen permanenten Eisbeuteleinsatz zur Folge hatte. Der Wind hatte inzwischen etwas aufgefrischt, so dass einzelne Werfer dazu übergegangen waren, in der ersten Sonntags-Disziplin (Endurance), taktisch zu werfen. Dies hatte im Ergebnis zur Folge, dass Andrea Sgattoni mit 58 Fängen auf dem ersten Platz landete und sich Dizzy (der alte Fuchs) und Gerrit den zweiten Platz mit jeweils 50 Fängen teilten.

Die letzte Disziplin des Turniers „Trickcatch/Doubling“ zeigte dann wieder einmal, dass auch mit den „Knochen“ nach wie vor gerechnet werden muss ! Michael Siems spielte seine jahrzehntelange Erfahrung (insbesondere im barfüssigen Werfen) aus und erreichte Platz 1 mit 83 Punkten. Bei Andrea Sgattoni machte sich das mehrmonatige Berliner Trainingslager bei Alex Opri bemerkbar - er kam mit 78 Punkten in dieser Disziplin auf Rang zwei, dicht gefolgt von Frederico Coluccini auf Platz drei mit 77 Punkten.


v.l.n.r. Gerrit, Günter, Michael, Andrea

4 Werfer auf den ersten 3 Plätzen


In der Gesamtabrechnung gewann Günter Möller das Turnier sehr deutlich aufgrund eines überzeugenden Auftritts mit konstanten Platzierungen immer in den vorderen Rängen ! Platz zwei teilten sich der Young-Gun-Coach Gerrit Görrisen und der Urknochen Michael Siems.

Hier die Top Ten der Gesamtwertung:

Platz Name Nation TOTAL

1 Günter Möller D 19,5
2 Michael Siems D 35,5
2 Gerrit Görrissen D 35,5
4 Andrea Sgattoni I 42,5
5 Dizzy Klöckner D 47,5
6 Heinz-Willi Dammers D 50,5
7 Matthias Giesenschlag D 52
8 Alessandro Benedetti I 52,5
9 Mirko Forti I 66,5
10 Federico Coluccini I 71

Insgesamt bleibt festzuhalten, dass auf diesem Turnier - trotz hohem Fun-Faktor - teilweise Weltklasseleistungen geworfen wurden. Auch auf die Gefahr hin, dass sich Frido und Manu im kommenden Jahr - animiert durch die guten Ergebnisse - zu einer Teilnahme entschließen sollten, kann dieses Turnier - aufgrund der idealen äußeren Bedingungen - allen Werfern empfohlen werden, die nicht unter Sand- oder Sonnenallergie zu leiden haben ! Ein schönerer Saisonabschluss ist nicht denkbar und ein besonderer Dank geht deshalb auch an Alessandro und Giorgio für die prima Organisation ! Wir freuen uns jetzt schon auf’s nächste Jahr ! Salute !!!






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