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Werkstatt >> Workshop: Natural Elbows


Je krummer desto beßer!

Da schlägt so manches Herz höher

Ich weiß gar nicht, wann es mich erstmals erwischt hat, dieses Elbow-Fieber. Auslöser war gewiß ein Edelstück, das Eric Darnell gebaut hatte. Damals ahnte ich (und meine Familie) nicht, daß ich heute nach wie vor mit verstelltem Blick an Gehölzen entlang schleiche und unvermindert krumme äste sammle. Was ich damit anstelle, will ich gerne der INFOleserschaft offenbaren und zur gefälligen Nachahmung anempfehlen.
Also: Am Anfang ist immer der bewußte krumme Ast. Genau betrachtet sollte es gerne Laubholz sein, im Durchmeßer möglichst sechs Zentimeter oder auch viel mehr, vernünftigerweise im Winkel 90° oder auch spitzer. Klar, daß die Arme ausreichend lang und überlang abgeschnitten sein sollten. Optimal und kaum verzichtbar, weil sonst nur mit Problemen behaftet, ist die Biegung in wirklich nur einer Ebene. Oh, wie oft habe ich bei meinen Sammelzügen voreilig über vermeintlich ideale Krümmer gejubelt. Und dann, knirsch, ragte ein Arm leider doch aus der Ebene raus. Tolle Elbow-Jagdgründe sind Obstgärten, Waldränder, Friedhöfe und Knicks.
Für die „Ernte“ sollte man die kalte, laub- und saftfreie Jahreszeit wählen.. Mein seelenverwandter Freund Jay Butters, seines Zeichens Baumchirurg, hat da eine andere Auffaßung: Er erntet praktisch zu jeder Zeit. Aber davon später mehr. Ich habe gerne im Winter gesägt (dann findet man im Wald auch öfter mal im Kronenholz gefällter Baumriesen intereßante Biegungen). Die Schnittstellen habe ich stets mit Wachs versiegelt, um Riße in den Astenden zu verhindern.
Nach gebührend langer Trocknungs- und Wartezeit (Faustregel: pro Zoll ein Jahr) kommt der spannende Moment des Aufsägens zu Rohlingen. Nachdem ich anfänglich mit falschem Geiz sehr gewagte Schnitte riskiert und dadurch etliche Rohlinge versaut habe, säge ich jetzt großzügig auf. Man kann ja lieber noch was wegschleifen, wenn sich das Holz beim Trocknen etwas geworfen haben sollte.


Eine gute Säge verhindert so manchen Frust

Bandsäge anno 1938

Das Aufsägen mit der Maserung ist nicht angenehm. Quer zur Faser sägt sich’s beileibe leichter. Ich besitze jetzt eine Bandsäge, Baujahr 1938. Doch glücklicherweise gibt es nun hierzulande die japanischen Edelsägen mit der raffinierten Zahnung, welche nur auf Zug arbeiten und Traumschnitte liefern. Wer je einen Rohling mal mit einer Bügelsäge vom Baumarkt aufgesägt hat und danach die japanische Wundersäge erlebt, weiß wovon die Rede ist. übrigens: Aufsägen mit der Kreißäge und Anschlag ist für Laien saugefährlich! Laß da nur Profis ran. Nach dem Aufsägen sieht man auch, was in dem Ast los ist. Erschütternderweise wird manches hoffnungsvolle Stück dann leider zu Edelbrennholz – oder bestenfalls zu einem Mini-Schmuck-Elbow wie für die Preise bei der WM 2002... So ein ausgesägter Rohling muß natürlich noch ruhen, bevor er weiter bearbeitet wird. In der Vorfreude kann man schon mal die Umrißlinie darauf skizzieren. Da hat man manchmal real existierende Flügelformen im Hinterkopf. Die sollte man lieber nicht 1:1 dem guten Stück aufzwingen; denn dann hätte man ja auch gleich Sperrholz nehmen können. Vielmehr sollte man nach dem „natürlichen Schmuck“ in der Maserung und in der Zeichnung des Holzes suchen. Jedes Stück ist schließlich ein Unikat ! Ich finde diesen Entdeckungsvorgang immer fordernd und spannend. Ohne die Bauerfahrung mit vielen unterschiedlichen Formen und Profilen aus Sperrholz könnte ich das aber nicht. Ich wüßte dann wahrscheinlich nichts über die Harmonie von Flügellänge, -breite und –stärke im Zusammenhang mit der Materialdichte.


Probeläufe sind nicht nur erlaubt, sondern dringend empfohlen

Eckards kritische Blicke überwachen jede Umdrehung

Wenn die Form geklärt ist und mit leichtem Zuschlag ausgesägt daliegt, kann das Schleifen beginnen. Ich fange mit des Unterseite an und sorge dort für eine plane Fläche als Ausgangsbasis für den Rest. Jay Butters, der glückliche, hat einen sehr breiten Bandschleifer, der ihm diese Arbeit ökonomisch besorgt. Ich habe mich an meinen Winkelschleifer gewöhnt, mit dem ich grob und fein für Unterseite und Profil sorge. Das geht zwar etwas auf den Wurf- und Schleifarm – der ist bei uns aber ohnehin etwas gewohnt. Nun soll das Profil entstehen. Bei Sperrholz hat man Höhenlinien. Easy. Bei Naturholz ist Augenmaß gefragt. Wie sprach weiland der alte Albrecht Dürer schon? „Man muß innenwändig voller Form seyn...!“ Sehr wahr. Deshalb ist es Anfängern nicht zu raten, mit Elbows oder Lapjoints zu beginnen. Vorsichtige können ja mal mit einem flügelbreiten Brettchen probieren und Mut schöpfen. Ich schleife zunächst grob aber ausgeprägt das Profil. Dann hält es mich meist nicht an der Werkbank.
Ich muß auf die Wiese. Ein erhabenes (oder neudeutsch auch: geiles) Gefühl, wenn bei normalen Bedingungen schon der erste Catch gelingt. Das gibt wieder Auftrieb für das mühevolle feinere Schleifen. Und wenn dann selbst Frido nur noch höchstens einen winzigen Kratzer feststellen könnte (jeder andere würde das glatt übersehen...), kann das Elaborat geölt werden. Einen Vorgeschmack darauf, wie das Holz nach dem ölen außehen kann, bekommt man vor der allerletzten Schleifphase: Ich tauche das Holz dann nämlich einmal kurz in Waßer. Dadurch stellen sich die Faserchen auf, die man sonst nicht entdecken konnte. Nach dem Abtrocknen und Feinstschliff gilt die Fläche als makellos.
Durch das ölen kommen die Kontraste der Holzfarben innerhalb der Fläche stärker zum Vorschein. Kleine Aststellen oder spannende Mißwüchse werden zu Landschaften und unverwechselbarem Flächendesign. Das Unikat, die Welturaufführung liegt vor mir.


Eigene Erfahrungen sammeln

Ein Natural Elbow Fan baut natürlich nur draußen

Ich persönlich ziehe den matten Glanz von öl und Wachs einer in meinen Augen eher leblosen glatten Lackoberfläche vor. Aber das ist in der Tat Geschmacksache, über die ein Streit nix bringt. Geeignete öle und Wachsemulsionen kann man in ökofarbgeschäften auftreiben.
Ich habe hier natürlich meine Version der Elbowherstellung geschildert und auch Jay Butters aus Wales erwähnt. Er sägt die Rohlinge mit der Japansäge recht frisch auf und läßt sie einzeln unter häufigem Wenden trocknen. Erstaunlicherweise bleiben sie plan ohne Riße und werfen sich nicht. Da brach für mich zunächst ein Elbowweltanschauungsgebäude zusammen. Ich habe wirklich unter seiner Anleitung einen Bumerang in seiner Werkstatt so wie er gebaut. Bin schließlich aber – ich muß es gestehen – in meine eingefahrene Methode zurückgekehrt.


Im Vollholz-Fieber

Eckard Mawick als Organistor der WM 2002 in Kiel

Wer durch diesen Bericht jetzt schon ganz heiß auf diese Bumerangbauweise wurde, kann von mir natürlich abgelagerte Krummhölzer oder gesägte Rohlinge erwerben. Wer darüber hinaus an einem der sagenumwobenen Workshops im Mekka der Elbows, nämlich in Heuerstubben (nördlich von Lübeck) teilnehmen möchte, kann mir gerne eine e-mail zukommen laßen. Meine Adreße deutet schon auf die Kunst Elbows zu machen hin.
Sie lautet denn auch: elbowart@gmx.de

Ich plane für dieses und nächstes Jahr mindestens zwei Wochenendworkshops für jeweils ca. acht Teilnehmer/innen. Material habe ich für noch viele weitere auf Lager (und Lust auch).

Eckhard Mawick





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